Interview: Noah (20)

Der Vater von Noah (20) ist vor etwas über 3 Monaten gestorben. Ganz plötzlich… Sein Vater liebte es, im Sommer Motorrad zu fahren und konnte sich sehr für Oldtimer begeistern – nun war der erste Sommer ohne ihn – er fehlt…
Hat man in so jungen Jahren einen anderen Blick auf den Tod?

Was für ein Mensch war dein Vater?

Was mir man meisten in Erinnerung bleibt, ist seine Ehrlichkeit der Familie gegenüber. Er war stets darauf bedacht, für uns zu sorgen (er war selbstständig), mindestens ein Mal im Jahr mit uns zusammen in den Urlaub zu fahren, seine Freundschaften regelmäßig zu pflegen und sich für gute Dinge einzusetzen.
Außerdem war ein wahrer Self-Made Mensch. „Geht nicht“ gab es bei ihm nicht.

Welche Bedeutung hatte dein Vater in deinem Leben und wie würdest du eure Beziehung beschreiben?

Eine große. Ich würde unsere Beziehung als sehr „freundschaftlich“ bezeichnen. Ich habe mich mit ihm eigentlich immer gut verstanden, da wir in vielen Punkten die gleiche Meinung hatten und auch sonst vieles gemeinsam hatten.

Wie alt warst du, als er gestorben ist und wie erinnerst du dich an seinen Tod?

Ich bin im Moment 20 Jahre alt und der Todesfall ist vom jetzigen Zeitpunkt knapp 3 Monate her. Konkrete Erinnerungen an seinen Tod habe ich keine, da ich sehr lange gar nicht realisieren konnte, was passiert ist. In dieser Zeit herrschte in meinem Kopf absolutes Chaos.

Woran ist er gestorben?

An einem Schlaganfall. Er hatte zuvor auch schon ein paar ähnliche Vorfälle, jedoch ging es ihm die letzten Monate vor seinem Tod ziemlich gut. Er ist auch regelmäßig zum Arzt gegangen, hat angefangen Sport zu treiben und hat sehr viele Blut-Tests gemacht. Keine Auffälligkeiten. Gerade als man dachte, es geht wieder bergaufwärts, kam eines Morgens die Nachricht…

Was war für dich das Schlimmste an seinem Tod und wie hast du es geschafft damit umzugehen?

Das Schlimmste, was ich realisieren musste, war, dass er nie wieder nach Hause kommen würde (mein Vater war im Kurz-Urlaub mit seinen Freunden verstorben).
Dieses „Nie wieder“ hat mich echt sehr sehr traurig gemacht. Irgendwann nahm diese tiefe Traurigkeit dann Stück für Stück ab und ich lernte damit leichter umzugehen.

Was hättest du rückblickend in und mit deiner Trauer vielleicht gerne anders gemacht?

Auch wenn es blöd klingen mag, aber ich denke ich hätte nichts anderes gemacht.
Es gibt einfach verschiedene Trauerphasen die man durchlaufen muss, ob man will oder nicht. Wichtig ist es sich vor Augen zu halten, dass das Leben weiter geht.

Wer oder was hat dir am meisten geholfen, mit dem Verlust fertig zu werden?

Da ich mich sehr für Sprüche & Zitate begeistere, waren ein paar wegweisende Worte eine sehr gute Hilfe für mich. Auch meine Familie, Freunde und Verwandte haben mir besonders in den ersten Tagen sehr viel Kraft geschenkt. Aber ich denke, das Wichtigste war, dass ich mich mit mir selber auseinandergesetzt und versucht habe, meine wirren Gedanken wieder in Ordnung zu bringen.

Was würdest du jemandem sagen, der gerade in einer ähnlichen Situation mit dem Tod konfrontiert ist?

Der wichtigste Rat, den ich Angehörigen geben kann, ist sich definitiv mit dem Todesfall tief im Inneren zu beschäftigen. Der Spruch „Zeit heilt alle Wunden“ stimmt einfach nicht. Um sich langfristig von negativen Emotionen und ungesunder Traurigkeit zu trennen, ist es wichtig sich damit zu konfrontieren. Immer und immer wieder. Einen emotionalen Todesfall sollte man auf keinen Fall versuchen zu verdrängen oder gar zu vergessen. Das ist meine persönliche Erfahrung.

Wie denkst du heute über deinen Vater und seinen Tod?

Da der Todesfall noch nicht lange her ist, habe ich noch keine relevanten Gedanken dazu.

Wie hat dich der Tod deines Vaters verändert?

Da der Tod meines Vaters urplötzlich eintraf, hat mich das auf jeden Fall eines gelehrt: Es gibt keine Garantie für ein Morgen. Alles Wichtige, was man im Leben tun und machen will, sollte man jetzt sofort erledigen. Wann anders ist es vielleicht nicht mehr möglich.


Noah verdient sein Geld einerseits durch die Erstellung von Webseiten für Kunden und zum anderen durch die Firma, die sein Vater hinterlassen hat. Ein schönes Vermächtnis, mit sehr vielen persönlichen Erinnerungen

Noahs Vater stand Dingen wie Smartphones, Tablets und Computern negativ gegenüber. Wenn die Familie abends zusammensaß, war es ihm immer wichtig, dass niemand zwischendurch am Handy herumspielte. Zudem mochte er es nicht, wenn man stundenlang am PC hing, anstatt mit den Freunden einen drauf zu machen.

Er mochte es überhaupt nicht, wenn wir uns stritten und versuchte immer so schnell wie möglich eine Lösung zu finden – Ein glücklicher Familienzusammenhalt hatte bei ihm eine hohe Priorität.

Noah ist Webmaster von 1001 Sprüche. Dort findet sich eine bunte Sammlung an Sprüchen für jede Gelegenheit, Witze aller Art und auch Gedichte.