Auf Schalke statt auf den Friedhof – Wie man seinen eigenen Weg mit der Trauer findet

Gestern bin ich über einen kurzen TV-Beitrag bei WDR gestoßen. „An der Hand in die Traurigkeit“ heißt er. 

Der kurze Film begleitet die 15-jährige Helena und zeigt, wie man lernen kann, nach und mit dem Tod eines geliebten Menschen weiterzuleben. 

Helenas Papa ist vier Monate vorher ganz plötzlich verstorben – mit nur 43 Jahren.

Was ich an Helenas Geschichte so bewundernswert finde, ist ihre ganz eigene Art, sich zu erinnern und aktiv mit ihrer Trauer umzugehen. Um ihrem Papa nah zu sein, geht sie nicht auf den Friedhof, sondern ins Stadion – „auf Schalke“. Da waren sie oft gemeinsam. Und dort ist er immer noch, sagt sie.

Keine Regel ohne Ausnahme

Zwei Dinge macht der kurze und sehr sehenswerte Film deutlich: Jeder hat seine eigene Art, mit dem Tod umzugehen. Jeder kann, darf und muss seine eigene Art zu trauern suchen – und finden. Regeln gibt es dabei keine.

Der Umgang mit dem Tod ist niemals von der Stange,
sondern immer maßgeschneidert.

Keiner kann einem sagen, was einem hilft, helfen sollte, helfen wird, was man tun oder lassen sollte, welche Rituale einem den Schmerz vielleicht erleichtern, was die schmerzloseste oder vielleicht auch die effektivste Art zu trauern ist. Es gibt sie einfach nicht: die beste Art zu trauern.

Plötzlich mit dem Tod konfrontiert zu sein bedeutet immer: Herausfinden, wie ich trauere, trauern möchte, was sich gut für mich anfühlt und was nicht. Beim Umgang mit der Trauer gibt es keine Regeln – mit einer Ausnahme:

Mach, was für Dich richtig ist. Nicht für irgendjemand anders.

Ohne Hintergedanken oder mit einem unsicheren Gefühl von „Ist es ok, wenn ich…?“. Ja, es ist ok, wenn Du..! Was auch immer Dein „wenn ich…“ ist: Tu es, auf Deine ganz eigene Art.

Nur Mut!

Was mir oder jemand anderem geholfen hat, muss nicht unbedingt das Richtige für Dich sein. Dennoch kann sich ein Blick auf die Erfahrung anderer lohnen. Nicht, weil Du es genauso machen solltest, sondern weil es Dir vielleicht hilft, herauszufinden, was das Richtige für Dich ist.

Vielleicht möchtest Du Tagebuch schreiben? Eine Trauergruppe besuchen? Anfangen zu meditieren? Mit einem Therapeuten sprechen? Mehr Zeit mit Deinen Freunden verbringen? Oder regelmäßig das Grab pflegen und es mit schönen Blumen bepflanzen?

Es gibt sie: Die Möglichkeiten, aktiv zu werden.

Mutig zu sein. Sich der Angst und dem Schmerz zu stellen. Einen Weg zu finden, mit der Trauer und durch die Trauer etwas zu verändern. Für Dich.

Natürlich gibt es schöneres, als zu trauern oder
sich mit dem Tod zu beschäftigen.

Der Tod ist ja auch nicht schön. Aber er ist da. Genauso wie unsere Trauer, wenn wir jemanden verloren haben. Und wenn ich etwas aus meiner Erfahrung gelernt habe, dann das: So scheiße es manchmal ist, so viel Kraft es einen kostet und es so schmerzhaft es auch ist: Es gibt einen Weg. Ein Weiterleben. Vielleicht sogar ein gutes Leben.

Nicht nur für mich, auch für Dich.


„An der Hand in die Traurigkeit“ ist kostenlos in der Mediathek des WDR verfügbar. Hier geht’s direkt zum Beitrag.


 

Was hat Dir geholfen, mit Deiner Trauer fertig zu werden?
Ich freue mich auf Deinen Kommentar!
© Foto: Judith Peller

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  • Ich trauere auch nicht gern,versuche nur seit Jahren mit den Todesfällen (erst meine Mutti,dann mein Vati,dann meine liebe Freundin Rosi im letzten Jahr,mehr Todesfälle bedrückten mich nicht!) klar zu kommen.Man lebt ja weiter! Letzte Woche war ich 2 Mal auf dem Friedhof,einmal ohne Schneetreiben,das andere Mal mit.Rosi war mit mir oft wegen Grabpflege ihres Mannes auf dem Friedhof,daher ist der Friedhof für mich auch kein so schrecklicher Ort wie für viele andere Menschen.Ich nenne ihn:schöner Park mit merkwürdigen Steinen.Leider lassen viele Angehörige Grabpflege sehr vermissen,finde das sehr bedauernswert.Leider tun auch viele Friedhöfe nicht genug dafür,dass man als Trauernder den unbedingt nötigen „Service“ bekommt.Ich meine hier nur mal:WC zu,obwohl eben noch Friedhof offen ist,geht gar nicht! Es trauern oft Eltern mit ihren Kindern um tote Angehörige,ich denke da stets an die kleinen Windelpupser,die sicher aufs WC gehen möchten und das geht nicht. Ja,es ist merkwürdig,wenn man vor einem Grabstein steht,auf dem der Name einer Person steht,die man gern hatte,aber ich denke:die Seele wird ewig sein und bleiben!

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