Interview: Lara (26) aus Berlin

Lara* (26) über Lutz (29), der 2013 plötzlich verstorben ist – sechs Wochen, nachdem sie sich kennen gelernt und ineinander verliebt hatten. Lutz hatte ein unbemerktes Aneurysma im Gehirn.  

Was für ein Mensch war Dein Freund?

Ich habe Lutz als lebensfrohen, strahlenden und glücklichen Menschen kennengelernt. Er war lustig, liebevoll und hilfsbereit und konnte beeindruckend gut mit Kindern umgehen. Seine Familie war ihm sehr wichtig.

Welche Bedeutung hatte er in Deinem Leben und wie würdest Du Eure Beziehung beschreiben?

Lutz ist ganz unerwartet in mein Leben getreten und leider genauso unerwartet und plötzlich verstorben. Ich war nie zuvor so intensiv verliebt wie in ihn. Ich hätte niemals gedacht, so für jemanden empfinden zu können. Gleich zu Beginn unseres Kennenlernens dachte ich, dass ich noch nie einen so tollen Mann kennen gelernt habe. Wir hatten eine sehr kurze, aber unfassbar intensive und leidenschaftliche Zeit zusammen.

Wie alt warst Du, als er gestorben ist und wie erinnerst Du Dich an seinen Tod?

Ich war 25, Lutz 29, als er gestorben ist. Seine Schwester hat mir am Telefon von seinem Tod erzählt. Danach saß ich stundenlang geistesabwesend in meiner Wohnung, ohne etwas zu tun.

Woran ist er gestorben?

Er hatte wohl ein unbemerktes Aneurysma im Gehirn.

Was war für Dich das Schlimmste an seinem Tod?

Lutz war wie das blühende Leben. Deshalb war das Unbegreiflichste für mich, dass ausgerechnet er krank sein und sterben sollte: Er hat so wie kein anderer Vitalität, Lebensfreude und Energie ausgestrahlt.

Wer oder was hat Dir am meisten geholfen, mit dem Verlust fertig zu werden?

Mir hat es gut getan, dass so viele Menschen mitgefühlt haben und ergriffen waren, als sie von unserer Geschichte erfahren haben. Auch der Kontakt zu Lutz’ Familie hat mir gut getan und tut es noch immer. Und auch wenn es nicht immer leicht ist, hilft mir der Glaube daran, dass das alles irgendwie einen Sinn hat.


Das Foto zeigt Lara und Lutz bei einem gemeinsamen Urlaub an der Nordsee.


Was würdest Du jemandem sagen, der gerade in einer ähnlichen Situation mit dem Tod konfrontiert ist?

Dass es wohl normal ist, dass die Trauer in Wellen verläuft – mal mehr, mal weniger schmerzt und intensiv ist, dass es hilft, sich Zeit für die eigenen Gedanken und Gefühle zu nehmen, sie vielleicht auch aufzuschreiben.

Was denkst Du heute über Lutz und seinen Tod?

Lutz war ein ganz besonderer Mensch und ein wunderbarer Mann in meinem Leben. Ich bin sehr dankbar, dass ich ihn und auch seine Familie kennenlernen durfte. Und ich glaube, er lebt in uns weiter: Er ist irgendwie immer noch hier bei uns.

Wie hat Dich Lutz’ Tod verändert?

Ich habe erlebt, dass das Leben tatsächlich ganz plötzlich vorbei sein kann. Ich versuche, mehr herauszufinden, wonach mir wirklich ist und mein Leben danach zu gestalten. Auch wenn es verrückte Dinge sein mögen. Das Leben ist zu kurz, um sich durch selbstauferlegte Regeln oder falsche Konventionen einzuschränken. Ich versuche heute mehr auf mein Herz und meinen Bauch zu hören.


Lara* ist 26 Jahre alt. Sie liebt ihr Leben in Berlin und ihre Heimat, das Rheinland. Lara hat Wirtschaftspsychologie studiert, weil es für sie nichts spannenderes als Menschen gibt. Sie möchte etwas in der Arbeitswelt bewegen. Im Moment arbeitet sie in der Personalabteilung eines internationalen Unternehmens in Berlin.

*Lara möchte gerne anonym bleiben, deshalb wurde ihr Name geändert.