Interview: Elisabeth* (60) aus Schleswig-Holstein

Elisabeths* Ehemann ist im März 2017 verstorben. Ihr komplettes Leben änderte sich. Sachen, die früher wichtig waren, sind unwichtig geworden. Alles – sogar die kleinste Tätigkeit – kostet sie momentan unglaublich viel Kraft.

Was für ein Mensch war dein Mann?

Mein Mann war ein in sich ruhender Mensch. Sanft im Wesen – nie laut oder aufbrausend. Er hat in seinen Studienjahren seine Vorstellung vom Leben gelebt und konnte sich somit in unserer Ehe (für uns jeweils die 2. Ehe) voll auf mich und meine Kinder einlassen. Er war aufgrund seiner Eigenschaften ein hervorragender Lehrer und sehr beliebt bei Eltern und Schülern.

Welche Bedeutung hatte dein Mann in deinem Leben und wie würdest du eure Beziehung beschreiben?

Er war mein Leben, gab allem einen Sinn.

Wie alt warst du, als er gestorben ist und wie erinnerst du dich an seinen Tod?

Er starb kurz vor meinem 60. Geburtstag, am 20.3.17 um 16.30 Uhr. Er wurde von mir Zuhause gepflegt. Am Morgen schon war er sehr unruhig – wollte aufstehen, konnte es aber nicht mehr. Die Körperpflege lehnte er an dem Tag ab – essen mochte er nicht. Gegen Nachmittag kamen die Kinder und meine Freundin, auch die Palliativschwester war da. Sie ging aber schnell wieder und meinte, dass an dem Tag nichts passieren würde. Ich saß an seinem Bett, hielt seine Hand, wusste,dass er sterben würde, glaubte es aber nicht. Kurz vor seinem Hinübergehen machte er die Augen auf, sah geradeaus und sagte in einem überschaschenden und erfreuten Tonfall……OOOOHHHHHH…… Er sah wohl seine Abholer in der geistigen Welt. Ich blieb lange am Bett sitzen, der Arzt kam und ging und ich mochte ihn nicht abholen lassen. Gegen Mitternacht haben meine Kinder dann den Bestatter angerufen.

Woran ist er gestorben?

Knochenkrebs

Was war für dich das Schlimmste an seinem Tod und wie hast du es geschafft damit umzugehen?

Die Tatsache, dass er weg ist. Alle Pläne wurden nichtig, alles fiel zusammen. Ich habe es noch nicht geschafft damit umzugehen. Lebe in den Tag hinein, ohne Freude. Erledige Sachen, die gemacht werden müssen mechanisch.

Was hättest Du rückblickend in und mit deiner Trauer vielleicht gerne anders gemacht?

Ich wüsste nicht,was ich hätte anders machen sollen. Ich muss weiter leben, also funktioniere ich.

Wer oder was hat dir am meisten geholfen, mit dem Verlust fertig zu werden?

Meine Kinder sind immer für mich da – aber auch hilflos. Freundinnen unterstützen, so gut sie meinen es zu können. Mein Hund fordert sein Recht und zwingt mich jeden Tag hinaus zu gehen.

Was würdest du jemandem sagen, der gerade in einer ähnlichen Situation mit dem Tod konfrontiert ist?

Worte sind überflüssig – oft lästig und sind nur Floskeln. Einfach die Person fest in den Arm nehmen…….sonst nichts.

Wie denkst du heute über deinen Mann und seinen Tod?

Ich sehe ihn genauso wie zu Lebzeiten. Ich liebe und vermisse ihn unendlich. Manchmal werde ich wütend, weil er seine Krankheit ignoriert hat und nicht mehr zum Arzt gegangen ist.

Wie hat dich der Tod deines Mannes verändert?

Ich bin depressiv geworden und nehme Medikamente. Mein Interesse für die mediale Welt wurde geweckt und ich habe bereits viel darüber gelesen und schon einen Jenseitskontakt gehabt. Ich bin gleichgültiger gegenüber Menschen geworden, die Empathie ist weniger geworden. Ich habe meinen Weg noch in keinster Weise gefunden und mir fehlt der Sinn meines Weiterlebens. Ich weiß, dass alles mein Lebensplan ist, aber das Wissen hilft momentan nicht.

 


Elisabeth* ist 60 Jahre alt und lebt in Schleswig-Holstein. Sie ist Hausfrau, war lange in der Flüchtlingshilfe bei den Johannitern aktiv – ehrenamtlich und zuletzt im Angestelltenverhältnis.

*Name geändert


Kein Kommentar

  • Maria Bachmann

    Ich kann es nachvollziehen ,mein Mann starb mit 47 Jahren in meinen Armen daheim…er hatte einen Hirntumor …ich sagte ihm dass er gehen kann ,dass er nun andere Aufgaben hat als Schutzengel seines Grossneffen ….dass ich nicht böse bin wenn er jetzt gehen muss und dass ich ihn immer lieben werde…..er ging ruhig hinüber ….und ließ mich in einer stillen Welt zurück…..jetzt sind es drei Jahre ohne ihn und er fehlt jeden Tag .Doch ich weiß dass es ihm jetzt wieder gut geht ,dass er immer bei mir ist …nur einen Gedanken entfernt ….ich dachte dass ich niemals wieder lieben werde doch es passierte doch ….und ich weiß dass Thomas damit glücklich ist weil ich es wieder sein darf..Mein Herz wird immer bei mir sein ,in meinem Herzen ,meinen Gedanken und Erinnerungen ….zuerst dachte ich dass kein Platz mehr ist für etwas Neues doch das stimmt nicht ….für Liebe ist immer Platz denn dass Herz wird nur grösser dadurch ….

Danke für Deinen Kommentar: