Interview: Jürgen (75) aus der Niederlausitz

Jürgen (75) über seine Frau, die nach 48 Jahren Ehe völlig überraschend zuhause an einem Herzinfarkt gestorben ist.  


Jürgens Frau starb im Frühjahr 2013 im Alter von 73 Jahren: „Sie ging ins Bad und brach dort einfach zusammen. Der Notarzt konnte nur noch ihren Tod feststellen.“


Was für ein Mensch war Deine Frau?

Meine Frau war in Ostpreußen geboren. Sie hatte einen liebevollen, einfühlsamen Charakter und war sehr praktisch veranlagt – bei uns zuhause und auch in anderen Bereichen. Als evangelische Katechetin konnte sie wunderbar mit Kindern umgehen. Mir war sie über 48 Jahre eine liebevolle und verlässliche Partnerin.

Welche Bedeutung hatte Deine Frau in Deinem Leben und wie würdest Du Eure Beziehung beschreiben?

Wie gesagt: Sie war meine Ehepartnerin, die mir immer Verlässlichkeit gegeben hat. Mein ruhender Pool, Wir haben uns auch ohne lange Reden verstanden – mit Gesten, Blicken und Handlungen. Meine Trauer über ihren plötzlichen Tod ist groß.

Wie alt warst Du, als sie gestorben ist und wie erinnerst Du Dich an ihren Tod?

Ich war 73. Nachmittags wurde ihr in meiner Anwesenheit plötzlich übel. Sie ging ins Bad und brach dort zusammen. Der Notarzt konnte nur noch ihren Tod feststellen. Danach fiel ich in einen Schockzustand.

Woran ist sie gestorben?

Vermutlich war es ein Herzinfarkt. Es muss aber auch ärztlicher Pfusch vermutet werden, der einige Monate davor stattgefunden haben muss. Einige Tage vor ihrem Tod ist sie in der Notaufnahme im Krankenhaus äußerst nachlässig behandelt worden.

Was war für Dich das Schlimmste an ihrem Tod und wie hast Du es geschafft damit umzugehen?

Das Schlimmste war die Plötzlichkeit und die Unvermutbarkeit ihres Todes, aber auch die plötzliche Wortlosigkeit. In der Zeit nach ihrem Tod war und ist es die dauernde Einsamkeit in unserer Wohnung. Ich habe bisher noch wenig geschafft, damit umzugehen. Die harte Trauerarbeit hält immer noch an.

Was hättest Du rückblickend in und mit Deiner Trauer vielleicht gerne anders gemacht?

Obwohl wir öfters über den Tod und das Sterben gesprochen haben, hätte ich mit ihr noch viel, viel intensiver über unser langes gemeinsames Leben reden müssen und können. Wir hatten leider keine unmittelbare Abschiedsphase. Aber im Rückblick bin ich Gott und den Menschen für meine Frau sehr dankbar.

Wer oder was hat Dir am meisten geholfen, mit dem Verlust fertig zu werden?

Immer wieder das Gespräch mit Menschen, die meine Frau gut kannten, sie liebten und mit mir trauern. Außerdem meine christliche Einstellung, biblische Texte und bewährte alte Choräle wie z. B. „Befiehl du deine Wege…“ 

Was würdest Du jemandem sagen, der gerade in einer ähnlichen Situation mit dem Tod konfrontiert ist?

Sinngemäß würde ich ihm sagen: Memento mori! Sei dir bewusst, dass du sterblich bist. Schleich‘ dich nicht um die Trauerarbeit herum, sondern geh durch sie hindurch, auch wenn es weh tut. Und: Such‘ dir Menschen, auf die du dich verlassen kannst.

Wie denkst Du heute über Deine Frau und ihren Tod?

Sie hat einen unauslöschlichen Platz in mir. Die Erinnerung an meine Frau wird immer mit mir mitgehen.

Wie hat Dich der Tod Deiner Frau verändert?

Er hat mich mehr nach innen geführt und dafür gesorgt, dass ich bewusster lebe.


Jürgen ist 75 und lebt in der Niederlausitz. Von Beruf ist er Pfarrer, heute ist er Ruheständler.